Wie der Schnee weiß wurde

Liebe Kinder,

wer von euch weiß denn, wie der Schnee zu seiner weißen Farbe gekommen ist?
Das war damals so:
Ganz, ganz früher, da war der Schnee noch durchsichtig, war ganz farblos, genauso wie der Regen. Und einmal, so zwischen spätem Herbst und frühem Winter, da fiel aus einer schwarzen Gewitterwolke ein Regentropfen. Der wurde noch in der Luft zur Schneeflocke und landete auf dem Blatt eines  Eichenbaumes.

Da sagte die Schneeflocke zum Eichenblatt:
„Du hast so eine leuchtend grüne Farbe; kannst du mir etwas von deiner schönen Farbe schenken? Ich möchte nicht weiter farblos bleiben.“

Das Eichenblatt aber sagte:
„Die kurze Zeit, wo ich noch grün bin, will ich nichts davon abgeben; such deine Farbe woanders, weiter unten, vielleicht bei den Blumen!“

Da schaute das Schneeflöckchen hinunter und sah das Veilchen und bat dies, ihm von seiner tiefen blauen Farbe etwas abzugeben. Aber das Veilchen faltete seine Blütenblätter zusammen und verkroch sich schnell zwischen dem Gras.
Auch die Sonnenblume wollte von seinem goldgelben Blütenkranz nichts abgeben.
Die Rose wurde sogar wütend:
„Ich bin die Königin aller Blumen; wie kommst du farbloses Geschöpf nur dazu, dich mit meinem Rosenrot schmücken zu wollen!“

Da wurde das Schneeflöckchen sehr traurig; doch da entdeckte es ganz unten am Boden ein Schneeglöckchen.
Und dieses freundliche kleine Glockenblümchen sagte:
„Ich gebe dir gerne von meiner weißen Farbe ab. Von nun an sollst du mit mir zusammen für immer in weißer Farbe leuchten!“

Und noch während die beiden freundschaftlich miteinander redeten, da fielen auf einmal noch viele, tausende und aber tausende Schneeflocken vom Himmel. Und auch die waren mit einem Mal allesamt schneeglöckchenweiß.
Es wurden mehr und immer mehr, so viele, bis die ganze Erde mit ihrem weißen Teppich ganz zugedeckt war. Und der ganze weiße Schnee, der deckte dann auch die Äste vom Eichenbaum zu, der  inzwischen all seine Blätter verloren hatte. Zugedeckt wurde die Sonnenblume, das Veilchen und auch die stolze Rose. Alle sind längst verwelkt und ganz unter der weißen Decke begraben.
Als aber dann am nächsten Tag die Sonne zwischen den Wolken hervorlugte, da begann auf einmal das Schneeglöckchen sich zu recken und aus der Decke hervor zu strecken. All die andern Schneeglöckchen machten es genau so, und so läuteten zusammen im ganzen Land die weiße Weihnacht ein.

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