Mein Oma un hier Katz

Noch um die Mitte des 20. Jahrhunderts war das Alltagsleben in den Dörfern der Unteren Saar vorwiegend agrarisch bestimmt. Die dadurch vorgegebene Naturnähe und der damit verbundene unmittelbare Kontakt der Menschen zu den Tieren ihres täglichen Umgangs drückt sich deutlich und reichlich im lebendigen Sprachschatz ihres moselfränkischen Dialekts aus.

Dömoals hot ed äan jedem Haushalt mindeschtens ään Katz gäan. De Katz, dat woar fier de Dörfleit kään Schmußedejerchin; de Katz, dej äas gebraucht gäan, allään schun fier de Meis äam Haus un em d´Haus erem ze fänken. Damals hatte es in jedem Haushalt mindestens eine Katze gegeben. Die Katze war für die Dorfleute kein Schmußetierchen; die wurde gebraucht, allein schon, um die Mäuse im Haus und ums Haus herum zu fangen.

Dat Dejer hot  sozusoan zur Famillisch dezoù gehiert. Kää Wonner, dat de Katz bei demm, watt de Leit seich soù ze verzellen hotten, ziemlich dix vier komm äas.

Das Tier hatte sozusagen zur Familie dazu gehört. Kein Wunder, dass die Katze bei dem, was die Leute sich so zu erzählen hatten, ziemlich oft vorkam.

Äan der Zeit, woù mir noch bei der Oma äan der Hofstroaß  gewunnt hun, dö hätt sei emmer geschennt, wenn eich schun morjens äan aller Frejh mei Lejdchi gepäaff hun. Un dann hätt sei de Kopp geresselt un hot zoù mir gesoat:

In der Zeit, als wir noch bei der Oma in der Hofstraße wohnten, da schimpfte sie immer, wenn ich schon morgens in aller Frühe mein Liedchen pfiff. Dann hatte Oma den Kopf geschüttelt und zu mir gesagt:
„Dej Viel, dej soù frej peifen, dej hölt äam Daach de Katz.“ Un wenn eich mettes ausgehongert aus der Schoùl haam komm säan un beim Mettichäaßen noch en dräatten Teller Läansenzopp mäat Duarflääsch leer gemach hun, dann hätt sei mir debei emmer erstaunt zoùgekuckt un häanerher gesoat: „Die Vögel, die so früh pfeifen, die holt am Tag die Katz.“ Und wenn ich mittags ausgehungert aus der Schule heim kam und beim Mittagessen noch einen dritten Teller Linsensuppe mit Dürrfleisch leer machte, dann hatte sie mir dabei immer erstaunt zugesehen und hinterher gesagt:
„Ewei schlääft dir de Katz de Möen nemmej fott!“© Rudolf Engel Jetzt schleppt dir die Katz den Magen nicht mehr fort!
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