Johanna äam Puddellooch

Wej eich noch klään woar un mir noch bei der Oma äan der Hofstroaß gewunnt hun;  dö äas ebbes passiert, wat meich zum ejschten Moal äan meim Herz ganz stolz gemaach hot. Als ich noch klein war und wir noch bei Oma in der Hofstraße wohnten, da ist etwas passiert, das mich zum ersten Mal im Herzen ganz stolz gemacht hatte.
De Oma hot meich mäat zwejn Groschen zou Dibossen Anna äan de klääne Laden off der Eck gescheckt, e Pond Zocker ze kääfen. „Wenn noch zwejn Penning rescht säan, kannscht de jo dödefier äämoal än de Steechkaschten steechen!“, hot sei noch gesoat. Die Oma hatte mich mit zwei Groschen zu Dibossen Anna in den kleinen Laden auf der Ecke geschickt, ein Pfund Zucker zu kaufen. „Wenn noch zwei Pfennige Rest bleiben, kannst du ja dafür einmal in den Stechkasten stechen!“, hatte sie noch gesagt.
Un wej eich um Huaf vum Noober, och e Koùhbauer, gejeniwer vorbeikomm säan, dö hieren eich, wej ed äam Puddellooch von der Meschtekaul soù e komisch Geräusch gemaach hot, soù als ebbes dö drän blubbern deeht. Un wej eich äan d´Looch räageguckt hun, dö sejn eich, wej dö zwää Ärmcher un zwää Bääncher fürchterlich äam Puddel remgestrampelt hun. Und als ich am Hof vom Nachbar, auch ein Kuhbauer gegenüber, vorbei kam, da hörte ich, wie es in der Jauchegrube vom Misthaufen so ein komisches Geräusch machte, so als ob etwas da drinnen blubberte. Und als ich in das Loch hineinschaute,  sah ich, wie dort zwei Ärmchen und zwei Beinchen fürchterlich in der Jauche herumgestrampelten.
Wat woar passiert: Ed Johannaschin hot mäat seiner Popp off der Mauer vun der Meschtekaul gesäaß un moß häannerrecks äan d´Pudellooch gefall säan. Awer ed woar alles nommoa goad gang. Was war passiert? Das Johannachen hatte mit seiner Puppe auf der Mauer der Mistkaul gesessen und muß hinterrücks in das Jaucheloch gefallen sein. Aber das war alles noch einmal gut gegangen.

Ää Gleck, dat eich gleich dönö dru vorbei komm säan, soù sier wej eich konnt äan d´Haus gelaaf säan un dej Leit geroof hun fier ed raus ze zejhen.

De Bauer hot meich um annern Daach, woù ed Meedchin schun nommoa aus em Krankenhaus zereck woar un ed him schun e besselschin besser gang äas, zoù seich äan d´Haus geroof. Eich hun meich äan der Kisch dem Bauer Nekla gejeniwer setze missen. Henn hät ma mäat seiner bräät Hand of de Schenkel gekloppt un gesoat:

Ein Glück, dass ich gleich danach daran vorbei gekommen bin, so schnell ich konnte, bin ich ins Haus gelaufen und habe die Leute gerufen, um es heraus zu ziehen.

Der Bauer hatte mich am andern Tag, als das Mädchen schon wieder aus dem Krankenhaus zurück war und es ihm schon etwas besser ging, zu sich ins Haus gerufen. Ich hatte mich in der Küche dem Bauer Niklaus gegenüber setzen müssen. Er hatte mir mit seiner breiten Hand auf die Schenkel geklopft und gesagt:

„Soù, mei Knechtchin, dau häscht oasem Johanna ed Lewen gerett, dau därft dir wei ebbes schejnes wenschen!“ „So mein Knechtchen, du hast unserm Johanna das Leben gerettet, du darfst dir jetzt etwas schönes wünschen!“
Wat heet eich klääne Jong mir vun em Koùhbauer schun wensche sollen? Zedrejscht äas mir goar neischt äagefall. Dann hun eich meich drun erennert, dat henn, wenn henn mäat sei´m Gespann bei oas vorbei komm äas, emmer so schnacks mäat der Gääschel geknallt hot, soù laut, dat mir ed sugoar debäannen gehurt hun. Was hätte ich kleiner Junge von einem Kuhbauer schon wünschen sollen? Zuerst ist mir gar nichts eingefallen. Dann hatte ich mich daran erinnert, dass er, wenn er mit seinem Gespann bei uns vorbei kam, immer so schnacks mit der Peitsche knallte, so laut, dass wir es sogar drinnen gehört hatten.
„Onkel Nekla, wenn ed eech recht äas, dann geng eich gäar ihr Gääschel hun!“ „Onkel Nekla, wenn es euch recht ist, dann würde ich gern ihre Peitsche haben!“
Zedrejscht hot de Bauer moa gruuß geguckt; hot meich noch e poar moal gefrööt, ob eich net lewer en Tafel Schoklad oder e Fußball geng wellen; awer um annern Daach säan eich mäat seiner Gääschel än de Schoul gang.

 

 

Stechkasten – eine Art Wunderkasten, der damals in jedem Tante-Emma-Laden hing, mit zugeklebten Löchern, in die man mit einem Stift für  2 Pfennige hinein stechen konnte, so daß unten eine farbige Perle in einen offenen Schacht fiel. Je nach Farbe hatte man eine Süßigkeit von unterschiedlichem Wert gewonnen oder bei schwarz eine Niete gestochen.

Zuerst hatte der Bauer mal groß geschaut; hat mich ein paar mal gefragt, ob ich nicht lieber eine Tafel Schokolade oder einen Fußball wollte. Aber am andern Tag bin ich mit seiner Peitsche in die Schule gegangen.

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