En Päadskniadel äam Maul

Hännerm Haus hotten mir e Steck vun der Kärrich gepacht. Döö hun mir oobweeselnd, ää Joahr iwwer dat annerd, Krombern geblanzt un Kuar ugeseed. Mei Mamm hot noch direkt häannerm Schopp zweschen em Goaden un em Steck e poar Reihen Erbeln gesetzt. Un weil  dej emmer soù prächdisch dick und ruud gäan säan,  woaren dej der Mamm  fier ebbes Besonnerschdes dankbar: Emmer wenn bei oas off der Stroaß e Päardsfuhrwerk vorbeikomm äas, dann hot mei Mamm schun off der Lauer geleeh. Un wenn dann äänd vun de Päarden ebbes hot faale geloss, dann äas sei sier mäat der Schepp rausgelaaf, hot dej Päardsknierdeln offgeroaf un bei de Erbel geschott. Hinter unserm Haus hatten wir ein Stück Land von der Kirche gepachtet. Dort haben wir abwechselnd, ein Jahr über das andere, Kartoffeln angepflanzt und Korn ausgesät. Meine Mutter hatte noch direkt hinterm Schuppen zwischen dem Garten und dem Feld ein paar Reihen Erdbeeren gesetzt. Und weil die immer so prächtig dick und rot wurden, da waren sie der Mutter für etwas Besonderes dankbar: Immer, wenn bei uns auf der Straße ein Pferdefuhrwerk vorbeikam, hatte meine Mutter schon auf der Lauer gelegen. Und wenn dann eines der Pferde etwas hatte fallen lassen, dann ist sie schnell mit der Schaufel rausgelaufen, hat die Pferdeäpfel aufgerafft und bei den Erdbeeren angeschüttet.
Awer sei woar mäat hierer Leidenschaft fier dej wertvoll Päadsmeschd bei oas off der Stroaß net allään. De Nobarschfraaleid hun seich sugoar dööriwwer hefdisch gestritt. Döö äas dann och äämoal dej Sach passiert: Aber sie war mit ihrer Leidenschaft für den wertvollen Pferdemist bei uns auf der Straße nicht allein. Die Nachbarsfrauen haben sich sogar darüber heftig gestritten. Da ist dann auch einmal die Sache passiert:
Ed Gasper Lena und em Tuback sein Fraa, ed Grejd, woaren gleichzeidisch bei dem freschen Guppen off der Stroaß ukomm. Wej seich ed Lena grööd becken well, döö hot ed Grejd de Kniadeln schun off der Schepp. Die Gasper Lena und dem Tuback seine Frau, die Gret, waren gleichzeitig bei dem frischen Haufen auf der Straße angelangt. Als sich die Lena gerade bücken wollte, da hatte die Gret die Äpfel schon auf der Schippe.
Döö fängt ed Lena soù mächdisch un ze schännen, brellert ed Grejt off dej allerschläamschd Oard un un nennt ed en guurisch Schlamp. Un wej häad beim Schennen soú leidenschafdlich ed Maul offreißd, döö hölld ed Grejt ään vun denne Kniadeln äan de Hand un schmeißt se em Lena mäatten äan´d Maul, dat äan dem Moment sperrangeleweit offstäähd. Ed Lena äas dann off ed Grejt zoùgelaaf, hätt de Ärmen nöö hier ausgestreckt un dörrich dat zugestoppd Maul geroof: Da fängt die Lena so mächtig an zu schimpfen, brüllt die Gret auf die allerschlimmste Art an und nennt sie eine gierige Schlampe. Und wie sie beim Schimpfen so leidenschaftlich das Maul aufreißt, da holt die Gret einen von den Äpfeln und schmeißt sie der Lena mitten ins Maul, das in dem Moment sperrangelweit offen steht. Die Lena ist dann auf die Gret zugelaufen, hat die Arme nach ihr ausgestreckt und durch das zugestopfte Maul gerufen:
„Soú, dej loo haalen eich ewei soù lang äam Maul bes de Polizei kemmt!“ „So, die da halte ich jetzt so lange im Maul bis die Polizei kommt!“

Merke:

Das Pferd heißt Pferd, weil es fährt. Seine Haut heißt Haut, weil man drauf haut. Manchmal lassen die Pferde etwas fallen; das heben dann die Leute auf und sagen: Hufeisen bringen Glück!

© Rudolf Engel

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