Angst vorm Spiegelei

Mir hotten ed Kätchin, ed Kläänscht vun oasen Noorberschleit fier zweijn Deech bei oas gehott. De Jakobs vun newenunn woaren nö Treijer wallfoahren, ze Foas zum Heiligen Rock, dörch de Wald iwer de Hand, de Siewenbejchen un ed Bloome Kreiz ronner nö Soarhelzbich un dann de Soar entlang bes nö Trejer. Weij sei loasgang säan, hot noch hier Mamm zoù meiner gesoat:„Ed wier e besselchin glott säan, wenn ed un d´ Äassen gääht; awer sonscht äas oas Kätchin bei annere Leiden schu brav.“ Dö hot mei Mamm gesaot: „Ma Liss, eich kennen doch dei Meedchin! Dat mäat seim Abbedit, dat wieren mir schun hikrejn!“ Wir hatten Kätchin, das Kleinste von unseren Nachbarsleuten für zwei Tage bei uns gehabt. Die Jakobs von nebenan waren nach Trier wallfahren, zu Fuß zum Heiligen Rock, durch den Wald über die Hand, die Siebenbuchen und das Blumen Kreuz hinunter nach Saarhölzbach und dann die Saar entlang bis nach Trier. Als sie los gegangen waren, hatte ihre Mutter noch zu meiner gesagt:„Es wird ein wenig wählerisch sein, wenn es ans Essen geht; aber sonst ist unser Kätchin bei andern Leuten sehr brav!“ Da sagte meine Mutter: „Aber Liss, ich kenne doch dein Mädchen! Das mit seinem Appetit, das werden wir schon hinkriegen!“
Mir hun jo dat Meedchin all goat kannt; brav woar dat allemoal schu gewierscht; un wej ed seich dann bei oas um Desch herausstelle sollt, glott woar ed och. Denn wej mir um annern Daach vum Krombernheifen off oasem Steck äan Hontel iwer Mettich haam komm säan und oas Mamm de Kappestiertich und dat Steck Seiteflääsch off den Desch bröht hot, dö wollt dat Kätchin seich goar net ejscht un den Desch setzen. Ed hot de Kopp off de Seit gedreht und gesoat: „Eich hun kään Honger, loo devun kann eich neischt äaßen!“ Wir haben ja das Mädchen alle gut gekannt; brav war es allemal schon gewesen; und wie sich dann bei uns am Tisch herausstellen sollte, wählerisch war es auch. Denn als wir am andern Tag vom Kartoffelhäufen auf unserm Feldstück in Hontel über Mittag heim kamen und unsere Mutter den Kappestiertich und das Stück Seitenfleisch auf den Tisch brachte, da wollte das Kätchen sich gar nicht erst an den Tisch  setzen. Es hatte den Kopf auf die Seite gedreht und gesagt: „Ich habe keinen Hunger, kann davon  nichts essen!“
Mei Mamm woar jo schun viergewarnt und hott ed Käand gefröt: „Ma watt geengscht dau dann lewer äaßen? Soll eich dir ebbes annerschtes maachen?“ Awer ed Kätchin hot nur de Kopp geresselt und „mh, mh“ gemaach. „Soll eich dir vielleicht en Sejsschmier maachen, mäat goarder Botter un Zej-mich-lank?“ Meine Mutter war schon vorgewarnt und hatte das Kätchen gefragt: „Ma, was würdest du dann lieber essen? Soll ich dir etwas anderes machen?“ Aber das Kätchen hatte nur den Kopf geschüttelt und „mh, mh“ gemacht. „Soll ich dir vielleicht ein Marmeladenbrot machen, mit guter Butter und Zieh-mich-lang?“
Wat mei Mamm och ubejde wollt; ed Kätchin hot emmer nur de Kopp hin un her gedreht un „mh, mh“ gemaach. Un weij mei Mamm neischt annerscht mej unzebejden woscht, dö hot sei gesoat:  „Ma soll eich dir dann e Spicheläj maachen!“ Ed Kätchin hot e Moment lang gestutzt, hot nemmeij de Kopp geresselt un schließlich ganz zouversichtlich gesoat: Was meine Mutter auch anbieten wollte, das Kätchen hatte immer nur den Kopf hin und her gedreht und „mh, mh“ gemacht. Und als meine Mutter nichts anderes mehr anzubieten wusste, da hatte sie gesagt: „Ma, soll ich dir dann ein Spiegelei machen?“ Das Kätchen stutzte einen Moment lang, schüttelte nicht mehr den Kopf und hat schließlich ganz zuversichtlich gesagt:
„Eich heed ed doch lejwer äam Pännchin gebroat!“ „Ich hätte es doch lieber im Pfännchen gebraten!“
glott               

De Hand 

Kappestiertich

Zeij-mich-lank 

© Rudolf Engel

wählerisch beim Esseneine

Wegkreuzung im Brotdorfer Forst

Stampfkartoffeln mit Sauerkraut und Speck

Rübensaftmarmelade

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