Einführung

rudi CEB bohrend      Oas Sprooch – eine Art Vorwort

 

Einige von uns kamen aus Tokio                                    und hatten schon alles gesehen und sprachen ein wunderschöners Japanisch und mischten sich kaum unter die andern. Viele von uns kamen von Kagoshimaund sprachen ein breites Süddialekt, den diejenigen aus Tokio vorgaben, nicht zu verstehen.

( Julie OTSUKA:Wovon wir träumten, Hamburg 2012, S. 14)

 

 

  Wej vier mej als en half Joahrhonnert oasen Deitschlehrer, de Wilhelm Schinhofen oas of dem Gelände vum Leherseminar Lebach begeehnt äas un wej denn oas zwejn, de Seiwert Theo aus Merchingen un meich vu Brottroff, hot hieren, wej mir wej dahaam mäatenanner muselfränkisch geschwatt hun, dö äas henn bei oas stejh bliff und  hot oas geluaft und offgemontert, oas Sprooch nur goat bei ze behaalen, sei goat ze flejen und och speeder äan oasem Lewen, egal woù ed Schicksal oas hin verschlejn geeng, net ze vergäaßen.

„Denn,“ sou hot hänn noch häannerher gesoat, “wer seine Mundart verlernt, der wird auch seine Heimat verlieren!“

Eich säan äan meim Lewen vill äan der Welt rem komm; hun awer emmer nommoal de Weh nö dahaam zereckgefonn. Ma well seich oder sein Heimat jo net mäat der gruß Weltgeschicht vergleichen, woù soù vill Iwerragendes passiert äas, woù soù vill Grußes offgeblejht un dönöh nommoa vergang äas. Dödegehnt mescht seich dat, wat meich hei bedreckt, wej e  Meeckeschess off der Dechdeck aus, vun dem ed bei de mierscht Leit dahaam och goar nemmej de Riad äas: Mir awer däät ed (um Enn vun meim Lewen) äan der Sejl wejh, ze erlewen, wej oas muselfränkisch Sprooch äan denne letschten Joahren emmer mej verwässert gäan äas un haut schun döbei äas, ganz verluur ze gehjn.

Un wenn hei e poar Erennerongen „vu frejher“ offgeschriff gäan, äan dem Wuartlaut, wej mir ed vun oasen Eltern un vun de Leit aus oasen Därfern geliehrt hun, dann äas dömäat dej klään Hoffnung verbonn, e besselchin dözoù beizetrejn, dat oas Sprooch net ganz verlur gääht.

Eich geeng meich frääen, wenn denn äänen oder dej annere, vun dennen, dej dat hei lesen, mäatmaachen kennt, oas Sprooch lebendisch zu haalen.

   Als vor mehr als einem halben Jahrhundert unser Deutschlehrer, Wilhelm Schinhofen uns auf dem Gelände des Lehrerseminars begegnete und er uns beide, den Seiwert Theo aus Merchingen und mich von Brotdorf, hörte, wie wir miteinander moselfränkisch sprachen, da ist er stehen geblieben, hat uns gelobt und aufgemuntert unsere Sprache gut beizubehalten, sie zu pflegen und auch später in unserm Leben, gleich, wo uns das Schicksal hin verschlagen würde, nicht zu vergessen.

„Denn,“ so hatte er noch hinterher gesagt: „wer seine Mundart verlernt, der wird auch seine Heimat verlieren!“

Ich bin in meinem Leben viel in der Welt herumgekommen, habe aber stets den Weg nach Hause zurückgefunden. Man will sich oder seine Heimat ja nicht mit der großen Weltgeschichte vergleichen, wo so viel Überragendes geschieht, wo so viel Großes aufgeblüht und danach wieder vergangen ist. Dagegen macht sich das, was mich hier bedrückt, wie ein Mückenschiss auf der Tischdecke aus, von dem es bei den meisten Leuten daheim auch gar nicht mehr die Rede ist: Mir aber tut es (am Ende meines Lebens) in der Seele weh, zu erleben, wie unsere moselfränkische Sprache in den letzten Jahren immer mehr verwässert wurde und heute schon dabei ist, ganz verloren zu gehen.

Und wenn hier ein paar Erinnerungen von früher aufgeschrieben werden, in dem Wortlaut, wie wir es  von unsern Eltern und von den Leuten aus unsern Dörfern gelernt haben, dann ist damit die kleine Hoffnung verbunden, ein wenig dazu beizutragen, dass unsere Sprache nicht ganz verloren geht.

Ich würde mich freuen, wenn der eine oder die andere von denen, die das hier lesen, mitmachen könnte, unsere Sprache lebendig zu halten.

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4 Gedanken zu „Einführung

  1. Osmund Borner

    Mei Name is Osmund Borner un ich bin e gebürdicher Haaseler (Hasseler), ich menn, ich bin in Haasel gebor. Unser rheinfränkisch Sproch is meileweit weg vum Moselfränkische, wie se in Brotdorf bei Merzig geschwätzt werd.Erfahrunge in der Beziehung han ich im Lehrerseminar in Lebach gehat ,wo ich in de selb Klass wie de Rudi Engel un em Theo Seiwert war.Am e scheene Da war ich bei denne zwei uff em Zimmer. Die zwei han sich unnerhal inerer Sproch,
    vun der ich kenn Wort verstan han. No enner Weil han ich zu denne gesaat : san emol ,
    kenne ihr zwei net deitsch schwätze anstatt russisch, damit ich eich verstehn kann. Awwer die
    Reaktion vun unserem Deitschlehrer Wilhelm Schienhofen, den ich aa arich gut han leide
    kenne, han ich schon recht doll gefunn,als er er die zwei gelobt hat un uffgefordert hat die
    Heimatsproch zu fördere un bei zubehalle.

    Antwort
  2. Edwin Schäfer

    Als ich das erste Mal auf dieser Seite war (Info von Bekannten), war ich sehr erfreut, dass jemand (Rudi Engel, Theo Seiwert) sich die Mühe macht, unsere Sprache zu dokumentieren und der Nachwelt zu erhalten. Da kann ich nur sagen, das ist „Klasse“ und weiter so.

    Ich als gebürtiger (Wald-) Helzbischer und wohnhaft in Wahlen rede in meinem privaten Umfeld Moselfränkisch und bin Stolz darauf, die Sprache zu sprechen. Leider wird diese Sprache relativ kurzfristig aussterben, was mich traurig macht, denn damit verliere ich ein Stück Heimat. Deshalb ist es um so wichtiger, dass es Dokumentationen wie diese gibt.

    Vielen Dank an die Autoren.

    Edwin Schäfer

    Antwort
    1. rudolf31engel Autor

      Lieber Herr Schäfer, herzlichen Dank für diesen Kommentar! Das freut uns sehr. Mein Vater (Rudi Engel) und Theo Seiwert gehören einer Generation an, die diese Sprache noch recht unverfälscht sprechen. Ich gebe Ihnen Recht, dass die jüngeren Generationen gerade auch über diese wunderbare lexikalische Vielfalt nicht mehr verfügen. Leider ist unsere Familie schon seit den 70er Jahren nicht mehr im Saarland ansässig, so dass ich das Moselfränkisch der unteren Saar zwar verstehe, aber leider nicht spreche. Aber immer noch sehr gerne höre!
      Viele Grüße
      Monika Buscher

      Antwort

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