Moselfränkische Sprachfamilie

1. Zum sprachlichen Verbreitungsgebiet unseres Forums

Unsere Plattform bezieht sich in erster Linie auf das Sprachgebiet zwischen Unterer Saar und Hunsrücker Hochwald. Ohne von vorne herein eine starre Begrenzung festzusetzen, ist damit vor allem an die Ortschaften rechts und links der Saar ab Dillingen etwa bis zur Mündung gedacht. Wobei in der west-östlichen Ausdehnung die betreffenden Landesgrenzen zu Lothringen und zu Rheinland-Pfalz etwa die saarländischen Landesgrenzen gelten könnten.

Als Ausgangslage der schriftsprachlichen Pflege dient der Brotdorfer Ortsdialekt; repräsentativ und als Anregung für weitere Beiträge des genannten Verbreitungsgebietes. Diese Plattform sollte aber auch Sprachinteressierte aus den übrigen Sprachräumen des Moselfränkischen zum Mitmachen anregen.

2. Zum Wesen des moselfränkischen Dialekts

Noch um die Mitte des 20. Jahrhunderts war das Alltagsleben in den Dörfern der Unteren Saar vorwiegend agrarisch bestimmt. Die dadurch vorgegebene Naturnähe und der damit verbundene unmittelbare Kontakt der Menschen zu den Tieren ihres täglichen Umgangs, zu den handgreiflichen Gegenständen ihrer Alltagsverrichtungen, all dies drückt sich deutlich und reichlich im lebendigen Sprachschatz ihres regional- und ortsgebundenen Dialekts aus.

Oas Sprooch – e besselchin sperrisch

Elegant un geschmeidisch, soù äas oas Sprooch  bestemmt net; ejher ländlich grobschlächtisch. Ma kann nur schwer Gedichte draus maachen; döfier awer emsoù besser saaländische Witze. Oas Musselfränkisch, dat klingt dennoch goat, genau soù weh ed Allemannische oder dat Bairische. Ed äas unverwechselbar!

Beim Moselfränkischen handelt es sich also um eine uralte, im Sprachschatz und Wortlaut unverwechselbare Sprache, die sich schon seit einiger Zeit anschickt, als großregionale Eigenheit im kulturellen und alltäglichen Leben unserer Heimat zu schwinden, wenn nicht ganz verloren zu gehen. Diese  Plattform versteht sich demnach als ein weiterer Beitrag, den noch vorhandenen Bestand schriftlich fest zu halten und im interaktiven Diskurs weiter zu pflegen.

Es gilt unter anderem, besonders originelle Ausdrücke, einzigartige Begriffe und Wortverbindungen zu sammeln, die das Wesen und die besondere Eigenständigkeit des Moselfränkischen belegen und ihren natur- und erdverbunden Charakter unterstreichen. Daher sind vor allem die älteren Landsleute, quasi als Zeitzeugen, mit aufgerufen, in eigenen kleinen Beiträgen, in überlieferten Sentenzen, Sprüchen, Anekdoten und selbst gefassten Geschichten diesen unseren Sprachschatz als kulturelles Erbe zu pflegen.

Nachsatz: Es gibt Worte im Deutschen, die das Moselfränkische nicht kennt, dies gilt ebenso umgekehrt. Unser Dialekt ist in Vielem direkter, einfacher, greifbarer vielleicht auch reichhaltiger, anschaulicher. Nehmen wir mal das Wort >Ameise<. Direkt übersetzt würde es in unserm Dialekt >Omes> heißen, aber niemand daheim würde es verstehen. Den Namen `Ameise´ kennen wir nur mit einem Zusatz und sagen:   >Säächomes<, also Seichameise. Im Wort ist direkt der Kontakt zu dem hergestellt, was sie dieses fleißige Tier tut und was den Menschen unserer Heimat daran interessiert. Wer einmal für eine Weile die Hand in einen Ameisenhaufen steckt, der wird spüren, was Seichameisen bewirken. Mein Vater hatte ständig an mehreren Stellen gleichzeitig eine leere Flaschen im Säächomessenhaufen stecken.

Oder nehmen wir das Wort >Päardspuuperlisschen<. Wer von auswärts kann schon raten, wer sich hinter diesem Namen verbirgt. Vielleicht entdeckt man das Grundwort Lisschen und vermutet dahinter ein Mädchen. Vielleicht rät man auch, dass Päard auf deutsch Pferd heißt und Puup etwas ist, was auch Pferde manchmal hinten heraus lassen. Also, es handelt sich um jenen, auch von den Ägyptern hochverehrten Mistkäfer, der sich intensiv auch mit dem Pferdedung befasst.

Unsere Dorfsprache ist Tatsprache, spricht stets von dem, was die Leute treiben, was sie tun und was  auch so gesagt werden muss. Nicht besser trifft sich das als in dem Spruch:

„Wej ma esst, soù schafft ma!“

Wer langsam isst, dem bleibt nicht viel Zeit zum Arbeiten…

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