2 – Erste Kinderfreundschaften

Also, um es noch mal zu erwähnen; mit vier/fünf Jahren war ich in unserm Dorf schon so gut wie daheim. Wir hatten damals bei der Oma in der Hofstraße gewohnt, also mitten im Dorf.
Es war ja schon mit drei Jahren die Zeit, da man als Junge nicht mehr den ganzen Tag im Haus bleiben will. Zuerst kommen die kurzen Spaziergänge mit der Mutter oder dem Vater. Noch öfter hatte mich die Oma mitgeholt, wenn sie im Dorf etwas zu besorgen hatte.
Und weil es ja zu der Zeit außer den Pferde- und Kuhwägen noch keinen anderen Verkehr gab, war es auch keine Gefahr, als Kind allein auf die Straße zu gehen. Also hatten mir meine Leute schon gleich danach erlaubt, allein draußen auf der Straße zu spielen. Ab und zu sind dann Kinder aus der Nachbarschaft dazugekommen, und wir haben zusammen gespielt.

Der nächste große Schritt in die Welt, das war im Frühjahr 1935 der Gang zum Kindergarten.
Es war überhaupt der erste Kindergarten in unserm Dorf. Bei der freundlichen Schwester Emelda war es ein Leichtes, mit allen Kindern aus meinem Alter zusammen zu kommen.

Ich bin gerne in den Kindergarten gegangen; ist mir doch damit eine ganz neue Welt aufgegangen. So viele Spielsachen, so viele Kinder auf einem Haufen, mit denen man drinnen und bei gutem Wetter auch draußen im Pfarrgarten spielen, singen und lachen konnte.

Ganz neue Bekanntschaften mit neuen Kindern, mit denen aus dem Enneschden Ecken, denen aus der Kalt Nackisch, aus der Länsengaas und der Grejnstatt, und mit denen von ganz oben aus der Weiß Märk.
Aus dieser Zeit sind dann auch die tiefen Freundschaften entstanden, mit Braunschi, dem Leschie, dem Lauer und Wagner Willi, die über die Volksschulzeit bis heute noch bestand haben.
Und dann sind da noch die Mädchen im Kindergarten dazu gekommen, Hilde, die Maria, Marianne, Rosemarie und Margot, um auch nur ein paar von denen zu nennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn einer unter den Kindern einen pechschwarzen Haarschopf hat, dann ist das dem Lieschen Schwitzen sei Jong“

Dieser Kindergarten ist also schon im Jahre 1935 in der Gemeinde eröffnet worden; für die damaligen Verhältnisse bereits zu einer erstaunlich frühen Zeit und für ein kleines Dorf erst recht.
Die Gründung des Katholischen Kindergartens zu Brotdorf ging zweifellos auf die gemeinsame Initiative des auch in klerikalen Dingen so fortschrittlichen Pastor Klein zurück, in Zusammenarbeit mit den wahrscheinlich auch von ihm in die Gemeinde gerufenen Schönstatt-Schwestern aus dem Palottiner-Orden.

Nicht einmal ein Jahr später, da konnte ich nicht nur allein in den Kindergarten gehen, da hatte es nachmittags nicht nur die Hofstraße zum Spielen gegeben, da bin ich schon mit den andern Jungen durch das halbe Dorf gestromert, sogar bis in den enneschden Ecken un in die Weiß Märk.

Aus heutiger Sicht im Rückblick betrachtet, ließe sich bisher festhalten:
Noch waren die beginnenden Dreißiger Jahre eine – äußerlich gesehen – recht friedliche Phase.
Sehr viele der Menschen an der Saar fieberten aus dem bisherigen status quo heraus  der unmittelbar bevorstehenden Volksabstimmung entgegen.
Aber noch stand das kleine Land unter der vom Völkerbund beauftragen französischen Verwaltunsbehörde. Aber die Menschen an der Saar hatten zudem im französischen Franken eine recht stabile Währung.

Und auf dem Lande, da mußten sich die Kuh- und Geißenbauern  –  wie schon immer  –  durch ihrer eigenen Hände Arbeit redlich bemühen, das kärgliche Auskommens  zu sichern. So wurden gelegentlich auch ihre Kinder, sobald sie dazu fähig wurden, ebenfalls in diese Art der Existenzsicherung einbezogen. Manch einem von ihnen wurde jedoch darüber hinaus genügend Zeit zum freien Spielen im Freien und mit den Freunden belassen.
Auch der vierjährige Knabe, der Protagonist unserer Geschichte, konnte seine bislang ungetrübte Kindheit weiterhin auf diese Weise auskosten.

Doch in den kommenden Tagen werden seine Eltern einen Entschluß treffen, der für das Leben des Jungen eine entscheidende Bedeutung haben wird.

 

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