Der Maibaum ist nicht mehr da!

„Ein Dorf ist ein Dorf!“

heute (1): Der Maibaum ist nicht mehr da!

Man sagt so leicht: „Ein Dorf ist ein Dorf!“

Aber ein Dorf bleibt nicht immer ein Dorf; sogar wenn es dem Namen nach so heißt. Düssel ist heute noch ein Dorf, eins der schönsten; aber Düsseldorf, ein paar Kilometer weiter südlich, ist längst keins mehr.
Da kommt mir die Frage in den Kopf, ist denn Brotdorf überhaupt noch ein Dorf?
Ein deutliches Anzeichen, dass ein Dorf seinen Charakter als Dorf verliert, das ist, wenn es mit den alten Sitten und Gebräuchen zu bröckeln anfängt. Das muß nicht erst der Fall sein, wenn es zum Beispiel in Merchingen den Hammelstanz nicht mehr gibt oder, wenn in Quakenbach das Freeschefeschd nicht mehr gefeiert wird, wenn zur Fastnacht nicht mehr die Lehen ausgerufen werden oder wenn es eine ganze Woche lang nicht mehr heißt:

„Ein Dorf spielt Handball!“

Etwas, daß es früher fast in jedem Dorf gegeben hat, was man am ersten Maimorgen nach der Walpurgisnacht überall hatte sehen können, wie die Hexen auf ihren Besen durch die Straßen und Gassen geschwebt sind, hier und da ihr Unwesen trieben und an allen Ecken manch schlimme oder auch nur spassige Sachen angerichtet hatten.
Ich könnte davon erzählen, was wir damals als junge Burschen, natürlich im Auftrag von Walpurgis, in der Hexennacht getrieben haben, von dem, von dem heute kaum noch jemand eine Ahnung hätte.

Angefangen damit, dass, wenn man morgens zur Messe ging, dass man auf dem Platz vor der Alten Schule sehen konnte, wie dort rund um den Maibaum herum vier Reihen von allerlei Blumentöpfe aufgestellt waren, welche die Hexen in der Nacht von den Fensterbänken eingesammelt hatten.
Nicht mehr so spassig war dann die Geschichte, wie morgens eine Traube von Leuten vor dem Lebensmittelgeschäft standen (es war nicht beim Göttert, auch nicht beim Mertes) standen und staunten, weil die Tür zum Geschäft von unten bis oben zugemauert war.
Der Gipfel war, das war auch im `enneschden Ecken´ , wie die Leute vor dem zweistöckigen Haus hochschauten, wie dort oben auf dem First vom Dach – man wollte seinen Augen nicht trauen – ein vollständiger Pferdewagen gestanden ist.
Vorher waren die Ziegeln an vier stellen vom Dach abgedeckt worden, damit die Wagenräder dort stabil verankert stehen konnten. Und der größte Gipfel vom Gipfel war, dass der Pferdewagen voll mit Mist beladen war, der am frühen Morgen noch dampfte.-

Es sind früher im Dorf Sachen geschehen, auf die man nicht in allen Fällen stolz sein kann. Aber es war auch viel Gutes dabei, was man heut eben vermisst, weil es das einfach nicht mehr gibt.
So ist es zum Beispiel mit dem Maibaum:

Ich weiß nicht mehr, seit wann bei uns dahaam kein Maibaum mehr aufgestellt wird. Aber der Brauch ist an der Unteren Saar noch nicht verloren. Im Internet lese ich, in den andern Gemeinden, die zu Merzig eingemeindet sind, dort ist auch noch dieses Jahr der Maibaum gesetzt worden.
„Maibaumstellen mit Singen unter dem Maibaum in Mondorf!“ . – „Tanz unter dem Maibaum in Merchingen!“ Dasselbe kannst du bei Besseringen, Memmingen, Harlingen, Ballern, Silwingen, Schwemlingen und Mechern lesen.

Und dann lese ich vun Brotdorf aus dem Jahr 2012:

„Der Mai ist gekommen. Natürlich wieder
mit dem obligatorischen Maibaumsetzen
und dem anschließenden gemütlichen Zusammensein.“

Aber es war keine hohe und mächtige Fichte, wie es sich gehört, sondern ein Birkenbäumchen.
Und es war auch nicht ein Maibaum für die ganze Gemeinde, nicht auf dem Platz vor der Alten Schule zwischen dem Hirschen und der Kirche, sondern privat für den Tennisclub auf dessen eigenem Gelände gesetzt.

Immerhin verspürt man hinter dem Birkenbaum noch ein Stück Nostalgie und dahinter dahinter vielleicht auch die Sehnsucht, noch mal etwas wachsen zu lassen, was schon längst abgestorben ist. Und so fragt man sich auch, ob man in solchen Sachen noch die Kraft aufbringen soll, sich allem neuen Leben, auch dem Prozeß der Verstädterung überhaupt noch entgegen zu setzen.

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