4. Advent

Adventszeit äas Faaschtenzeit

Frejher, dat hääscht, bei oas äam Dörref, dö hät ma alsoù de Adventszeit net nur äan der Kärrisch mäatgrejt. Och dahaam, äan jeder Famillisch, dö woaren dej vejer Wochen en schejn Zeit, äan der mir oas all off dat gruuß Weihnachtsfescht ennerlich äagestemmt hun. Un eich hun rereckguckend noch dat Gespür, dat ma während der Zeit ennernanner mej zesumme gehall hun, noch mej, wej dat sonscht schun der Fall gewierscht äas. Früher, das heißt, bei uns im Dorf, da hatte man die Adventszeit nicht nur in der Kirche mitbekommen. Auch daheim, in jeder Familie, da waren die vier Wochen eine schöne Zeit, in der wir uns alle auf das große Weihnachtsfest innerlich eingestimmt haben. Und ich habe rückblickend noch das Gespür, dass wir während dieser Zeit untereinander mehr zusammen hielten, noch mehr, als das sonst schon der Fall gewesen sein mag.
Bei den Adventslejdern, dö hot mei Papp zwoar net mäatgesonng; dat woar och goat soù, denn mei Papp, denn konnt vill, nur net sengen. Awer henn hot ewen off sein Oart de Adventszeit äagehall.Ed woar schun um Ufank gesoat gäan, dat net nur fier de Käanner, sonnern ejscht recht fier dej Gruußen, den Advent en Faaschtenzeit woar. Un dörun hot seich och mei Papp äänijermoaßen gehall. Bei den Adventsliedern, da hatte mein Vater zwar nicht mitgesungen; das war auch gut so, denn mein Vater, der konnte viel, nur nicht singen. Aber er hatte eben auf seine Art die Adventszeit eingehalten.Es war schon am Anfang gesagt worden, dass nicht nur für die Kinder, sondern erst recht für die Großen der Advent eine Fastenzeit war. Und daran hatte sich auch mein Vater einigermaßen gehalten.
Woù henn noch net dauernd soù krank woar, dö hot henn jeden Daach sei Viez un och sei Schnaps getronk, un dat ziemlich. Weerdes hot henn nö der Schicht sein Peif geraacht und sonndes nö´m Mettischäassen sein Zigar. Awer äan der Faschtenzeit un och äam Advent, dö hot henn seich mäat em Viez un nem Schnaps ziemlich zereck gehall. Un denne vejer Adventssonndischen, dö hot ed och kään Zigar gäan. Als er noch nicht dauernd so krank war, da hatte er jeden Tag seinen Viez und auch seinen Schnaps getrunken, und das ziemlich. Werktags hatte er nach der Schicht seine Pfeife geraucht und sonntags nach dem Mittagessen seine Zigarre. Aber in der Fastenzeit und auch im Advent, da hatte er sich mit dem Viez und dem Schnaps ziemlich zurück gehalten. An den vier Adventssonntagen, da gab es auch keine Zigarre.
Ää moal, bei oas woar um vejerten Adventssonndisch sein Schweschter, de Tant Sanny vun Dellingen, zoù Besuch. Nööm Äassen äas mei Papp offgestann, mescht ään Schubload nö der annern off un guckt verluur mei Mamm un. Und dej seet: Einmal, bei uns war am vierten Adventssonntag seine Schwester, die Tant Sanny von Dillingen, zu Besuch. Nach dem Essen ist mein Vater aufgestanden, macht eine Schublade nach der andern auf und schaut verloren meine Mutter an. Und diese sagt:
„Wat lääfscht dau dann loo dauernd hin un her? Wat sejscht dau dann, dau helscht oas jo de Roùh vum Dech weesch?“ „Was läufst du dann da dauernd hin und her? Was suchst du denn, du holst uns ja die Ruhe vom Tisch weg?“
„Ma mein Kescht mäat de Zigarn!“„Dau wierscht deich doch net ennerstejhn, wei äam Advent en Zigar ze raachen!“ „Ma meine Kiste mit den Zigarren!“„Du wirst dich doch nicht unterstehen, jetzt im Advent eine Zigarre zu rauchen!“
Dö hot de Tant Sanny gesoat:„Wei loß him doch de Spaß, haut, woù eich ze Besuch säan, dö kann henn seich doch zur Feier des Tages sich ään usteechen!“ Da hat die Tant Sanny gesagt:„Jetzt laß ihm doch seinen Spaß, heute, da ich zu Besuch bin, da kann er sich doch zur Feier des Tages eine anstecken.“
Döroffhin hot de Papp monter weider gemaach, sein Zigarn ze sejchen, awer ohne Erfollisch. Daraufhin hatte Vater wieder munter weiter gemacht, seine Zigarren zu suchen, aber ohne Erfolg.
„Ewei loss ed goat säan“, seeht dö mei Mamm, „dau kannscht joo speeder weider sejchen!“ „Jetzt laß es gut sein“, sagte da meine Mutter, „du kannst ja später weiter suchen!“
Awer henn konnt sein Zigarrekescht och speeder net fennen. Dödrun, da dej Zigarrekescht net mej off hierm gewinnte Platz woar, dödrun woar eich schold, extra. Eich hot de Kescht verstoppt, wollt se bes Weihnachten zereckhaalen. Aber er konnte seine Zigarren auch später nicht finden. Daran, dass die Zigarrenkiste nicht mehr auf ihrem gewohnten Platz war, daran war ich schuld, extra. Ich hatte die Kiste versteckt, wollte sie bis Weihnachten zurückhalten.
Un wej mir um Heilisch Oowend oas all ennerm Chreschtbaam versammelt hotten, un mei Papp dann dat Geschenk offgemaach hot, dat vun mir äan  Goldpabeier äageweckelt gäan woar, un wej dann sein Zigarrekescht zum Vorschein komm äas, dö hot seich de Papp iwer dat Geschenk vu mir mej gefräät als iwer dej nau Krawatt vun der Mamm un dej selver gestreckte Socken von Tant Sanny. Und als wir am Heilig Abend uns alle unterm Christbaum versammelt hatten, und mein Vater dann das Geschenk aufmachte, das von mir in Goldpapier eingewickelt worden war, und wie dann seine Zigarrenkiste zum Vorschein kam, da hatte sich Vater über dieses Geschenk von mir mehr gefreut als über die neue Krawatte von Mutter und die selbst gestrickten Socken von Tant Sanny.A4

Wenn mein Vater auf die heutige vorweihnachtliche Glitzer- und Flimmerwelt hinabschauen könnte, was würde er sagen! Er, ein durchweg frommer Mann, der auch gerne in privater Gesellschaft gepredigt hatte, würde uns vielleicht auf einen ursprünglichen Sinn von Advent zurückweisen wollen.

Advent ist überall!

Advent ist überall dort, wo Menschen noch hoffen und abwarten können; wo Menschen wie in bangem und freudigem Sehnen darauf ausharren, etwas Liebgewonnenes wieder zu finden, was ihnen am Herzen liegt, was sie aber irgendwo verloren haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s