2. Advent

Un en  Adventskalänner fier de Käanner

Wenn och haut noch vill Leit den Advent mäatmaachen, soù begejhn sei dej Zeit doch nett mej soù, wej ed seich gehiert;  se leewen den Advent nemmej! Wenn auch heute noch viele Leute den Advent mitmachen, so begehen sie die Zeit doch nicht so, wie es sich gehört; sie leben den Advent nicht mehr.
Awer de Käanner, dej hun noch hier echt Frääd drun! Doch, wej bei de Gruußen, soù hätt seich och bei de Käannern manches geännert. Haut grejn se fascht all en prächtijen, en gekääften Adventskalenner geschenkt. Ed gefft e regelrechten Moart fier Adventskalenner, dausend  verschiedene Sorten! Aber die Kinder, die haben noch ihre echte Freude dran! Doch wie bei den Großen, so hat sich auch bei den Kindern manches geändert. Heute bekommen sie fast alle einen prächtigen, einen gekauften Adventskalender geschenkt. Es gibt einen regelrechten Markt für Adventkalender, tausend verschiedene Sorten!
Wej mir noch Käanner woaren, dö hot ed soù ebbes wej en Adeventskalenner noch goar net gäan. Jedefalls kann eich meich un soù ebbes bei oas dahaam net erennern. Denn äas ejscht vill speeder offkomm. Als wir noch Kinder waren, da hatte es so was, also einen Adventskalender  überhaupt noch nicht gegeben. Jedenfalls kann ich mich an so etwas bei uns daheim nicht erinnern. Der ist erst viel später aufgekommen.
Mein Fraa un eich, mir hotten dömäat ugefang, wej  oas äjene Käänner aus de Wendeln woaren. Awer, wenn oas Käanner en Adventskalenner wollten, dann äas denn net vun oas gekääft gäan, dann hun mir denn selver gemaach, de Käanner selver, un de Mamm hot hinnen döbei geholf. Meine Frau und ich, wir hatten damit angefangen, als unsere Kinder aus den Windeln waren. Aber, wenn unsere Kinder einen Adventskalender wollten, dann ist der nicht von uns gekauft worden, dann haben wir den selbst gemacht, die Kinder selbst, und die Mutter hatte ihnen dabei geholfen.
Eich wäß noch, wej dej Jengscht oas gedieringelt hot, 24 Waalness vorsichtisch offzemaachen un de Käaren erauszehöllen. Dann hot sei de Hälft vun denne halwen Nossschellen off en ugemoalten Stern aus Pappedeckel gekleewt. Un wenn de Mamm dann häämlich äan jed ebbes Schnäksisches dräagelööt hot, dann äas dej anner Nosschellenhälft  droffgelööht gäan, un fiertisch woar den Adventkalenner aus 24 Nessen off 24 leuchtenden Steeren! Ich weiß noch, als die Jüngste uns gedrängelt hatte, 24 Walnüsse vorsichtig aufzumachen und den Kern herauszuholen. Dann hatte sie die Hälfte von den halben Nussschalen auf einen angemalten Stern aus Karton  geklebt. Und wenn dann die Mutter heimlich in jede etwas Naschhaftes hineingelegt hatte, dann wurde die andere Nussschalenhälfte draufgelegt, und fertig war der Adventkalender aus 24 Nüssen auf 24 leuchtenden Sternen.
Eich wääß och noch, wej oas Ältscht schun Woche fierher ugefang hot, dej leer Streichholzschachteln  ze sammeln un fier de Adventszeit oofzehiawen. 24 Steck säan dann zoù ´nem Heisschi iwernanner gekleeft un off en Schoùhschachteldeckel fescht gemaach gäan. Un de Mamm hot dann äan jed Schachtel ebbes Kläänes räagelööt: färwisch Gummibäärcher, kletzeklään Schokoladenreppcher, klään Bildcher, Zierdelcher mäat em Spruch droff oder wat ma seich vum Chreschtkendschi wensche geeng. Ich weiß auch noch, wie unsere Älteste schon Wochen vorher angefangen hatte, die leeren Streichholzschachteln zu sammeln und für die Adventszeit aufzuheben. 24 Stück sind dann zu einem Häuschen übereinander geklebt und auf einem Schuhschachteldeckel befestigt worden. Und die Mutter hatte dann in jede Schachtel etwas Kleines  hinein gelegt: farbige Gummibärchen, klitzekleine Schokoladenrippchen, kleine Bildchen, Zettelchen mit einem Spruch darauf oder, was man sich vom Christkindchen wünschen würde.
Fier dej Adventssaachen hotten mir en extra Dechelchin äan der goat Stuff offgestallt. Dat hot dann soù feierlich ausgesejhn, den Adventkranz äan der Metten un dej zwejn Kalenner vun de Meedchern lenks un reets denewen. Off dat Dechelchin äas dann um Heilisch Oowend anstatt em Adventskranz de Chreschtbaam komm. Für die Adventssachen hatten wir ein extra Tischchen in der Guten Stube aufgestellt. Das hat dann so feierlich ausgesehen, der Adventskranz in der Mitte und die zwei Kalender von den Mädchen rechts und links daneben. Auf das Tischchen kam dann am Heilig Abend anstelle des Adventskranzes der Christbaum.
Iwrijens, dat Dechelchin, dat äas zugleich och en Erennerongssteck un mein Elternhaus, en Erbsteck soùzesoan. Ed äas meim Papp sein Schoùschterdech. Ma moß wessen, dat mei Papp ganz frejher oas Schoùh selver gefleckt hot. Dat woar dann emmer off demm Dechechelchin passiert. Enner der Dechplatt dö woar noch en Oart Schublööd.  Un wemma de Dechplatt offgehuaw hot, dann äas em Papp sei Schoùschterwerkzeich zum Vorschein komm. Un döö leit ed haut noch. Übrigens, das Tischchen, das ist zugleich auch ein Erinnerungsstück an mein Elternhaus, ein Erbstück sozusagen. Es ist meines Vaters Schustertisch.Man muß wissen, dass mein Vater ganz früher unsere Schuhe selbst geflickt hatte. Das ist dann immer auf diesem Tischchen passiert. Unter der Tischplatte befindet sich noch eine Art Schublade. Und wenn man die Tischplatte abhob, dann ist Vaters Schuhwerkzeug zum Vorschein gekommen. Und da liegt es heute noch.
Wej beim Adventskranz, soù kennt ma seich och frööen, wat soù e Kalenner iwerhaapscht mäat ´m Advent ze dejn hätt. Mir fällt döbei äan, dat jo dej Adventszeit zugleich och en Faaschtenzeit äas, jedefalls woar ed  frejher soù. Dej Gruußen, dej hotten seich dömoals viergehööl, freides kää Flääsch ze äaßen (ääjentlich hot ed bei oas freides nie Flääsch gäan), seich  äan der Zeit net de Bauch voll ze schlejn, ed Raachen und ed Sauffen zereckzeschrauwen… Wie  beim Adventkranz, so könnte man sich auch fragen, was so ein Kalender überhaupt mit dem Advent zu tun hätte. Mir fällt dabei ein, dass ja die Adventszeit zugleich auch eine Fastenzeit ist, jedenfalls war es früher so. Die Großen hatten sich damals vorgenommen, freitags kein Fleisch zu essen (übrigens hatte es freitags bei uns nie Fleisch gegeben), sich in dieser Zeit nicht den Bauch voll zu schlagen, das Rauchen und das Saufen zurückzuschrauben…
Un de Käanner, dej hun äan der Zeit net soù vill debaußen spille gejhn därfen, net wej sonscht äan´d Kino gejhn, un soù. Äan der Adventszeit, dö säan de Gutzjer weechgespäart gäan, dö hot ed äan der Zeit iwerhaupt kään Sejßischkääten gaän. Und die Kinder, die durften in dieser Zeit nicht mehr so viel nach draußen zum Spielen gehen, nicht ins Kino gehen und so. In der Adventszeit, da wurden die Bonbons weggesperrt, da hatte es in dieser Zeit überhaupt keine Süßigkeiten gegeben.
Un en ejschte Schritt, dat Faaschtegebot e Steckchin zu lockern, dat woar ewen den Adeventskalenner. Denn woar hauptsächlich döfier döö, em de Käanner dej lang Zeit vun vejer Wochen Abschdinenz e besselschi leichter ze maachen. Soù woar ed doch schejn, de Käannern jede Morjen nöm Kaffetrenken en klään Frääd ze maachen, en klään Iwerraschong ze bejden; em soù mej  woaren sei dann um Heilijen Oowend off ed Chreschtkennschi gespannt! Und ein erster Schritt, das Fastengebot ein Stückchen zu lockern, das war eben der Adventskalender. Der war überhaupt dafür da,  den Kindern die lange Zeit von vier Wochen Abstinenz etwas leichter zu machen. So war es doch schön, den Kindern jeden Morgen nach dem Frühstück eine kleine Freude zu bieten;  um so mehr waren sie dann am Heiligen Abend auf das Christkindchen gespannt!
Haut maachen vill, vill Käanner emmer noch jede Morjen äan hierem Adentskalennern en nau Fenschterchin off; awer de miaschten brauchen de ganzen Daach iwer off hier anner Sejßischkääten net ze verzichten. Fier hier Zänn, fier hiere Mööen un fier hieren dicke Bauch wär ed schun besser, wenn se wenigschtens äan der Adventszeit de Fengern dövun lossen geengen. Heute machen viele, viele Kinder immer noch jeden Morgen an ihrem Adventskalender ein neues Fensterchen auf; aber die meisten brauchen den ganzen Tag über dennoch nicht auf ihre anderen Süßigkeiten zu verzichten. Für ihre Zähne, für ihre Mägen und für ihren dicken Bauch wäre es schon besser, wenn sie wenigsten in der Adventszeit die Finger davon ließen.A2
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