10 Lebacher Schulleben

10. Mai – Unser Seminar Meister im Handball
Heute sind wir im Finale; heute haben wir für das Staatliche Lehrerseminar Lebach gegen den Gruppensieger von Ostsaar, gegen RG St. Ingbert im Stadium auf dem Kieselhumes in Saarbrücken die Saarländische Schulmeisterschaft im Handball errungen. Von den acht Toren habe ich als Linksaußen zwei reingemacht.
Kultusminister Strauß hat persönlich den Pokal überreicht.

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Die siegreiche Mannschaft bei einem Training auf dem Kasernensportplatz.

Sonntag, 14. Mai – Eine Ansichtskarte zum Muttertag
Muttertag fällt dieses Jahr auf den Sonntag, ausgerechnet auf einen dieser Lebacher Kasernensonntage. Immerhin geht´s hinaus ins Maienfreie!
Großer traditioneller Marienwallfahrtstag des kompletten Seminars nach Höchsten, ganz in der Nähe des Schaumbergs, eine durchaus willkommene Abwechslung. Wir hatten die letzten Tage nur noch gebüffelt, hatten fast jeden Abend zusätzlichen Unterricht: Geraldy hatte Wiederholungsstunden in den Prüfungsfächern angesetzt.
Nun, heute Morgen gab es in der Früh den Reisesegen in der Aula, und um Sieben sind wir  unterwegs über Jabach, Tanneck, Rummelbach, Höchsten.
Noch gestern Abend hatte ich beim Direx durchgesetzt, daß unsere Klasse mit den Rädern zur Gottesmutter pilgern darf. Für mich eine zusätzliche Trainingsgelegenheit für Rom.
Gleich ausgangs Lebach unterhalb der Steige hinauf nach Tanneck deute ich einen Sprint an, und schon sind Ossi und Bertold dabei, ihr Tempo anzuziehen. Darauf habe ich nur gewartet. Schon auf der ersten Abfahrt haben wir drei uns vom Peleton deutlich abgesetzt und sind mit gut einer halben Stunde Vorsprung in Höchsten bei der Gnadenkapelle angelangt. Schweißüberströmt!

Nach dem anschließenden Gottesdienst im Freien habe ich eine Ansichtskarte zum Muttertag nach Hause geschickt. Hatte Gewissensbisse, weil ich nicht nach Hause konnte. Aber Mutter weiß ja, daß ich sie liebe.

Montag, 15. Mai – Best brüllt uns wach und Junge spricht offen
Nach der gestrigen, höchst anstrengenden Tour und anschließenden Abschlußfeier für den Handballsieg, erst auf Tanneck, dann auf Bersins Bude, wollten wir heute früh noch nicht, wie üblich, um 5h30 aus den Federn; doch Dr. Best, der Wachoffizier vom Dienst, hat uns nach viel zu kurzem Schlaf wieder aus den Betten geworfen.
Am Nachmittag hält Dr. Junge den zweiten Teil seines Vortrags über „Das Wunder des Lebens“, wieder in der Aula, wieder bei vollem Haus. Der Jesuit redet diesmal etwas offener; spricht von Natürlichkeit, wenn junge Menschen einander nähern, den Kontakt zueinander suchen; er plädiert sogar um mehr gesellschaftliche Akzeptanz für „die schöne Zeit der jungen Liebe“!
Dann sein an uns gewendetes, fast poetisches Fazit:
„Vergeudet jedoch euer von Gott gegebenes Talent der Herzensliebe nicht in lächerlichen Stunden allzu früher und oberflächlicher Tendelei!“

17.Mai –  Zwei Menschen von uns verwiesen
Sie waren am Morgen im Unterricht und ich habe sie noch am Nachmittag beim Ausgang in Lebach gesehen; und am Abend kursiert dann eine böse Nachricht durch die Stuben:
Die Klassenkameraden Schulz und Hauck seien wegen „schlechter Führung“ durch Konferenzbeschluß von der Anstalt verwiesen.
Vieles wird gemunkelt; aber keiner weiß wirklich warum.

Christi Himmelfahrt  –  Unsere Zukunft hat schon begonnen
Solch ein Prachtwetter und das an einem Kasernenfeiertag. Man hätte doch übers Wochenend die Brücke machen und uns schon heute loslassen können!
Kein Heimaturlaub, aber mit dem Seminarchor die Messe des Hochamtes in der Pfarrkirche Lebach festlich gestaltet.
Hinterher auf dem Vorplatz steht Pfarrer Kiefer noch mit Lansch und uns zusammen. Auch viele Passanten gratulieren. Pastor Klein bedauert, daß wir Mitte August nicht mehr im Seminar sind zur großen Feier der Stadt „Tausend Jahre katholische Pfarrei Lebach“.

Willi, der Holzhauer, der Wagner heißt, ist heute mein Mann; hat Wort gehalten und ist mit dem Rad gekommen.
-Eich hun e schejne Gruuß vun dahaam un noch zwoù Iwerraschongen mäatbröhd.

Und die eine Überraschen in seinem im Gepäck sind die ersten selbst entwickelten Fotos.

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Willi und Rudi, selbst entwickelt

Schon lange hatte Willi an einer eigenen Dunkelkammer gedoktert, aber so lange seine Eltern nicht zurück waren, er neben seiner Arbeit noch den Haushalt machte, blieb keine Zeit. Vor kurzem kam nun das Glück dazu: Ein alter Merziger Apotheker, den Willi aus der Pfarrei Sankt Peter gut kannte, vermachte ihm, als er in den Ruhestand ging, seine  Einrichtung nebst einem noch intakten Vergrößerungsapparat.
Erst als die ersten Abzüge durchgefachsimpelt sind, eröffnet mir Willi, er brauche sich in Sachen Pilgerfahrt nicht mit einem schlechten Gewissen von Hause weg stehlen. Marianne, seinen Schwester wolle  Mutter beim Haushalt helfen und sich besonders um die Versorgung der Großeltern kümmern. Und dazu noch: Karmann habe ihm seinen zustehenden Urlaub um zwei Wochen verlängert. Da wäre jetzt also alles klar für Rom!

Ich fahre mit ihm bis Knorscheid zurück; dort umarmen wir uns auf ein großes Halleluja – unsere Zukunft hat damit begonnen!

Samstag, 27. Mai –  „Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen,…“
In den letzten Tagen ist nochmal beim Büffeln eins draufgelegt worden, und selbst für die drei Tage Pfingsturlaub sind einige Bücher nebst guten Vorsätzen mit nach Hause gegangen.

Komme gerade recht zum großen Handballturnier. Eine schweizer Mannschaft aus Aarau ist auch dabei. Sie verlieren knapp; sind aber umso lustiger beim Kameradschaftsabend. Kusine Rosemarie hat sich in den Stolzesten von ihnen verknallt. Änni ist auch gekommen und hat ihre hübsche Freundin aus Hilbringen mitgebracht.

Pfingstmontag        –        veni creator spiritus
Hab Vater beim Frühstück zum Namenstag gratuliert und  nach dem Hochamt auch dem Willi. Bin dann in Begleitung zweier hübschen Mädchen bei herrlichem Wetter die Hargarterstraße hinauf bis ganz hoch zum Paß, wo` s runter nach Hargarten geht, dann über die Höhe von Hoarschd bis nach Bachem spaziert. Der Grund für die besondere Ausdauer ist Gisela, jene Freundin von Änni, die sie bereits zum Turnier und Festkommerz mitgebracht hatte. Gisela Fischer ist besonders hübsch und angenehm in der Unterhaltung. Wir machen Fotos unterwegs, trinken in Bachem einen Kaffee; wollen auch abends zusammen ins Theater; aber Giselas Vater hat sich inzwischen eingestellt und sie schleunigst wieder nach Hilbringen entführt.

Ergo verzichte ich auch auf den Theaterbesuch, rücke die Bücher etwas näher und bete:
Veni creator spiritus!

Zu Kapitel 1,11: Die Tage der Prüfung

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